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Mrz

Drama in Bergneustadt, Jubel in Düsseldorf

Der TTC Schwalbe Bergneustadt muss sich am 18. und letzten Spieltag der Tischtennis Bundesliga (TTBL) nach über vier Stunden dem Post SV Mühlhausen geschlagen geben und verpasst damit den Einzug in die Play-offs. Bei Titelverteidiger Borussia Düsseldorf dagegen ist der Jubel nach langem Hoffen riesengroß.
 
Ohne Patrick Franziska, dafür wieder mit Timo Boll löste Borussia Düsseldorf seine Pflichtaufgabe gegen den ASV Grünwettersbach souverän, der an diesem Nachmittag auch nicht ansatzweise an die Leistung aus dem sensationellen 3:2-Hinspielerfolg anknüpfen konnte. Der einzige Satzgewinn für den Aufsteiger aus Karlsruhe gelang dem englischen WM-Helden Samuel Walker im Auftakteinzel gegen Kamal Achanta. Im Anschluss waren Joao Geraldo (0:3 gegen Panagiotis Gionis) und Alvaro Robles (0:3 gegen Boll) nahezu chancenlos, bevor beim Rekordmeister Hoffen, Daumendrücken und Nägelkauen angesagt war – und zwar weit über zwei Stunden lang. „Es ist schon sehr nervenaufreibend, wenn man im Auto sitzt und selbst nichts mehr tun kann“, gab Timo Boll zu.
 
Erst nach insgesamt vier Stunden Spielzeit stand fest, dass Düsseldorf den kaum mehr für möglich gehaltenen Einzug in die Play-offs doch noch geschafft hat. Bedanken darf sich der Rekordmeister beim Post SV Mühlhausen, der nach einem wahren Krimi den Traum des TTC Schwalbe Bergneustadt von der ersten Play-off-Teilnahme der Vereinsgeschichte platzen ließ. Dabei hatte es zunächst sogar so ausgesehen, als würden Steffen Mengel und Co. ihre große Chance im Schnelldurchgang verspielen: 0:2 hieß es zur Pause, nachdem sowohl Mengel als auch Eigengewächs Benedikt Duda nicht zu ihrem Spiel fanden. Ricardo Walther war es, der die Gastgeber mit einem umkämpften Fünfsatzerfolg gegen Bohumil Vozicky wieder hoffen ließ. In der anschließenden Neuauflage des Halbfinales der Deutschen Meisterschaften rettete Mengel die Schwalben gegen Lars Hielscher ins Entscheidungseinzel, das jedoch der an diesem Nachmittag bärenstarke Ovidiu Ionescu für sich entschied. Düsseldorf verdrängt Bergneustadt damit dank des besseren Spielverhältnisses doch noch von Rang vier. „Das ist der helle Wahnsinn! Der Tischtennis-Gott war uns heute gnädig“, freute sich Borussia-Manager Andreas Preuß, dessen Team in den Play-offs nun auf den Dauerrivalen aus Osthessen trifft.
 
Denn der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell untermauerte mit einem letztlich souveränen 3:1-Erfolg gegen den TTC Hagen seine Meisterschaftsambitionen und zieht als Tabellenerster in die Play-offs ein. Einziger Schönheitsfehler aus Sicht der Osthessen: die knappe 2:3-Auftaktniederlage von Wang Xi, der gegen Hagens Talent Anton Källberg im vierten Satz mehrere Matchbälle nicht nutzen konnte. Seine Teamkollegen hatten da schon deutlich weniger Mühe. Allen voran Ruwen Filus, der sowohl gegen Cedric Nuytinck als auch gegen Källberg ohne Satzverlust blieb. Den dritten Punkt steuerte Jonathan Groth gegen Borna Kovac bei. „Wir sind heute unserer Favoritenrolle gerecht geworden“, resümierte TTC-Präsident Stefan Frauenholz, der dem Duell mit Düsseldorf nach den Finalniederlagen der letzten Jahre mit Sorge entgegensehen dürfte. 
 
Die TTF Liebherr Ochsenhausen mussten ihre Tabellenführung nach einer 1:3-Niederlage gegen den TTC Zugbrücke Grenzau wieder abgeben und beenden die Hauptrunde nach einem unter dem Strich enttäuschenden Auftritt nur auf Platz drei. Die Gäste aus dem Westerwald dagegen ließen ihren Worten Taten folgen und verabschiedeten sich wie unter der Woche angekündigt mit einer ansprechenden Leistung aus der Saison. Andrej Gacina blieb in seinem Abschiedsspiel in beiden Einzeln ohne Satzverlust, der ebenfalls scheidende Masaki Yoshida bezwang im Auftakteinzel Simon Gauzy in fünf engen Sätzen. Lediglich Nachwuchstalent Liang Qiu konnte sich trotz guten Starts gegen Hugo Calderano nicht in die Grenzauer Siegerliste eintragen.
 
Den zweiten Tabellenplatz sicherte sich der 1. FC Saarbrücken TT mit einem knappen 3:2-Erfolg gegen den SV Werder Bremen und wird sich daher in den Play-offs mit Ochsenhausen messen. Ohne den angeschlagenen Tiago Apolonia kam für die Saarländer der 18-jährige Dennis Klein zu seinem zweiten TTBL-Einsatz und unterlag dem Russen Kirill Skachkov nur knapp (2:3). Saarbrückens Matchwinner war an diesem Nachmittag Bojan Tokic, der den FCS TT mit Siegen gegen Constantin Cioti und Hunor Szöcs zum Erfolg führte. Eine Spitze gegen Bastian Steger, seinen erkrankten Freund aus gemeinsamen Saarbrücker Tagen, konnte sich der gut gelaunte Slowene anschließend nicht verkneifen: „Basti kann froh sein, dass er verletzt bzw. krank war und nicht auch noch gegen mich spielen musste.“ Bremen schließt die Liga auf dem sechsten Tabellenplatz ab und hat am kommenden Samstag die Chance, ins Finale um den ETTU Cup einzuziehen. „Den Pokal wollen wir gewinnen“, so Steger.
 
Die Termine der Halbfinal-Begegnungen der Play-offs werden in Kürze bekanntgegeben.
 
Der 18. Spieltag in der Übersicht
 
ASV Grünwettersbach – Borussia Düsseldorf 0:3
Samuel Walker – Kamal Achanta 1:3 (6:11, 4:11, 11:5, 7:11)
Joao Geraldo – Panagiotis Gionis 0:3 (7:11, 5:11, 4:11)
Alvaro Robles – Timo Boll 0:3 (3:11, 9:11, 5:11)
 
TTC Schwalbe Bergneustadt – Post SV Mühlhausen 2:3
Steffen Mengel – Ovidiu Ionescu 1:3 (11:4, 4:11, 8:11, 4:11)
Benedikt Duda – Lars Hielscher 1:3 (3:11, 11:7, 6:11, 8:11)
Ricardo Walther – Bohumil Vozicky 3:2 (4:11, 11:6, 11:13, 11:3, 11:9)
Steffen Mengel – Lars Hielscher  3:2 (7:11, 11:9, 11:7, 7:11, 11:6)
Benedikt Duda – Ovidiu Ionescu 1:3 (8:11, 12:10, 9:11, 8:11)
 
TTC Hagen – TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 1:3
Anton Källberg – Wang Xi 3:2 (11:5, 11:13, 4:11, 14:12, 12:10)
Cedric Nuytinck – Ruwen Filus 0:3 (10:12, 3:11, 7:11)
Borna Kovac – Jonathan Groth 1:3 (7:11, 3:11, 12:10, 5:11)
Anton Källberg – Ruwen Filus 0:3 (11:13, 10:12, 4:11)
 
TTF Liebherr Ochsenhausen – TTC Zugbrücke Grenzau 1:3
Simon Gauzy – Masaki Yoshida 2:3 (11:5, 10:12, 8:11, 11:8, 9:11)
Liam Pitchford – Andrej Gacina 0:3 (3:11, 8:11, 1:11)
Hugo Calderano – Liang Qiu 3:1 (2:11, 11:6, 11:9, 11:8)
Simon Gauzy – Andrej Gacina 0:3 (10:12, 8:11, 13:15)
 
1. FC Saarbrücken TT – SV Werder Bremen 3:2
Adrien Mattenet – Hunor Szöcs 1:3 (5:11, 11:8, 10:12, 7:11)
Bojan Tokic – Constantin Cioti 3:1 (11:9, 8:11, 11:8, 11:8)
Dennis Klein – Kirill Skachkov 2:3 (5:11, 11:9, 8:11, 11:8, 9:11)
Adrien Mattenet – Constantin Cioti 3:1 (11:8, 7:11, 11:7, 11:8)
Bojan Tokic – Hunor Szöcs 3:1 (11:6, 11:3, 3:11, 11:3)
 
Hinweis: Im Anhang finden Sie ein honorarfreies Foto von Panagiotis Gionis in Jubelpose (Fotograf: MaJo-Foto).
 
Johannes Eickhoff
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit